Fachübergreifende Schmerzbegutachtung - Gesamtkrankheitsgeschehen
Fachübergreifende Schmerzbegutachtung - Gesamtkrankheitsgeschehen

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Begutachtung von chronischen Schmerzen (Schmerzzuständen) im Gesamtzusammenhang

Bei der Begutachtung eines Schmerzzustands (welcher Begründung auch immer) ist dieser unter Beachtung von Ko-Morbiditäten - statistisch überzufällig häufig gleichzeitig und parallel vorliegende Erkrankun(en) - als ein Gesamtkrankheitszustand zu bilden, d.h das individuelle Schmerzerleben wird durch die bio-psycho-soziale Gesamtverfassung und nicht durch das Ausmaß einer peripheren Schädigung bestimmt.
Kann dieser gutachtlich erarbeitet werden , kommt es zu gravierend häufigeren Feststel-lungen von reduziertem quantitativen Leistungsvermögen (besonders im Vergleich zu Gutachten einzelner, anderer Gebiete); diese befundeten periphere Funktionsbeeinträchtigungen, oder deren Fehlen - war das der Fall, wurden die Probanden psychiatrisch eingeschätzt, z.B. als anhaltende somatoforme Schmerzstörung (somatoform = körperbezogen) oder als Schmerzstörung mit körperlichen und psychischen Faktoren (nach ICD-10 GM).
Diese Schmerzzustände müssen auch endlich aus der Ecke einer Restkategorie wegen fehlender wissenschaftlicher Belegbarkeit herausgeholt werden, in die sie durch die nebulöse Klassifikation "somatoforme Schmerzstörung" in den vergangenen 15-20 Jahren hineingeraten waren (gutachtlich tätige Orthopäden, Neurologen, Nervenärzte bedienen sich extrem schnell dieser Kategorie - ein PD der Neurologie einer Uni-Klinik schrieb kürztlich in einem Gutachten, dass diese "Diagnose" keinen Krankheitswert besitze).
Das ist nach Veröffentlichung der neuen DSM-5 Klassifikation nicht mehr möglich, da die Trennung körperlich : seelisch veraltet ist.

Ich arbeite seit Mai 2013 damit, die deutsche Übersetzung erschien Dezember 2014. Die zukünftige Klassifizierung der WHO wird sich im ICD-11 2018 eng daran anlehnen.
Bei Schmerzdiagnosen (nach Chronifizierung geht es nicht mehr um die Ursache(n), es handelt sich nun um etwas gänzlich anderes). Ko-morbide sind oft Angst-/Panikstörung, depressive Störung, für alle ist bei der Begutachtung eine Schweregradfeststellung notwendig (u.a. möglich durch das Diagnostische und Statistische Manual DSM-5) im Abgleich mit den Alltagsfunktionen und der sozialen Teilhabe.

Genauer Vergleich mit Vorgutachten/Vorberichten ist zwingend (besonders sorgfältige Aktenbearbeitung, Diagnosen der einzelnen Gebiete, die Auszüge allein genügen nicht, sondern chronologische Bearbeitung, Feinsortierung nach Beeinträchtigungen, Diagnosen, Befunden usw.).

Die Feststellung einer Diskrepanz mit dem Gedanken einer zielgerichteten Verdeutlichung, Aggravation oder Simulation ist nicht mehr halbar, betrachtet man ausschliesslich die peripheren Befunde einerseits und die Schmerzangaben des Probanden andererseits.

Zu überprüfen sind Stimmigkeit, Konsistenz, Abgleich, evt. Verdeutlichungen zusammen mit der Verhaltensbeobachtung.

Ein schriftlicher Aktenauszug in Form einer eingehenden Aktenanalyse liegt immer vor dem Termin vor.
Nur so kommt es zu einer wesentlich häufigeren Feststellung einer geminderten oder aufgehobenen quantitativen Leistungsfähigkeit. Diese Arbeitsweise ist zeitaufwändig und komplex und erfordert so als Dienstleistung auch eine höhere Honorierung. "Qualitative" Einschränkung bei erhaltener Leistungsfähigkeit bedeutet, dass etwas vorliegt, "quantitativ" wieviel beeinträchtigt - plus die zeitliche Bewertung - und darum geht es in z.B. der Rechtsform Rentenrecht.

Im Versorgungsrecht ist/sind die Einschränkung(en) aller Gesundheitsstörungen in allen Lebensbereichen (körperlich, geistig, seelisch, sozial) zu beurteilen, zu bewerten, d.h. deren Auswirkungen, und zwar nach den Vorgaben der "versorgungsmedizinischen Grundsätze" von 12/2008.

So sind die Funktionsbeeinträchtigungen hinsichtlich ihres Schweregrads in allen Gebieten zu bearbeiten und ein sozialmedizinisch zu bewertendes Gesamtkrankheitsgeschehen darzustellen; versorgungsmedizinisch sind sog. Funktionssysteme zu bilden, die schliesslich den Gesamt-GdB bilden.

Ähnlich wird in anderen Rechtsformen verfahren, z.B. in der privaten, der gesetztlichen Unfallversicherung u.a.

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